Link-Zweck (WCAG 2.4.4): Verständliche Linktexte im Kontext

Kurz erklärt: Link-Zweck (WCAG 2.4.4 Link Purpose – In Context) fordert, dass der Zweck jedes Links aus dem Linktext allein oder zusammen mit dem programmatisch bestimmbaren Kontext erkennbar ist. Dieses Level-A-Kriterium ist über das BFSG und die EN 301 549 gesetzlich verpflichtend.

Screenreader-Nutzer navigieren häufig über eine Link-Liste – dabei werden alle Links der Seite aufgelistet. Wenn dort fünfmal „Hier klicken" und dreimal „Mehr erfahren" steht, ist keine Orientierung möglich. WCAG 2.4.4 fordert, dass Links verständlich sind – entweder aus dem Linktext selbst oder aus dem umgebenden Kontext. Das BFSG macht verständliche Links zur Pflicht.

Was fordert WCAG 2.4.4 konkret?

Der Zweck eines Links muss aus mindestens einer der folgenden Quellen erkennbar sein: Linktext allein: Der Text im <a>-Element beschreibt das Ziel. Ideal: „BFSG-Leitfaden herunterladen" statt „Herunterladen". Linktext + Kontext: Der umgebende Absatz, Listenpunkt, Tabellenzelle oder die übergeordnete Überschrift liefert den nötigen Kontext. Akzeptabel: In einem Absatz über BFSG-Fristen steht „Mehr erfahren" – der Kontext macht den Zweck klar. aria-label oder aria-labelledby: Ein programmatisches Label, das den Linktext erweitert oder ersetzt. <a href="/bfsg" aria-label="Mehr zum BFSG erfahren">Mehr erfahren</a> Das strengere WCAG 2.4.9 (Level AAA) fordert, dass der Linktext allein – ohne Kontext – verständlich ist.

Best Practices für verständliche Links

Beschreibende Linktexte: Verwende Linktexte, die das Ziel beschreiben: „WCAG-Checkliste herunterladen" statt „Download". „Preise ansehen" statt „Hier klicken". Keine URL als Linktext: Verwende <a href="...">Barrierefreiheits-Bericht 2025</a> statt <a href="...">https://example.com/report-2025.pdf</a>. Zielformat angeben: Bei Downloads oder externen Links: „Jahresbericht 2025 (PDF, 2,3 MB)" oder „Wikipedia-Artikel zu WCAG (öffnet in neuem Tab)". Icons mit Links: Ein Pfeil-Icon oder externes-Link-Icon braucht ein aria-hidden="true", wenn der Linktext bereits informativ ist – sonst liest der Screenreader das Icon-Label zusätzlich vor.

Häufige Fehler bei Link-Zweck

„Hier klicken": Der Klassiker – völlig nichtssagend, besonders in Link-Listen. „Mehr": Fünfmal „Mehr" auf einer Seite – der Screenreader-Nutzer weiß nicht, wovon mehr. „Weiterlesen": Akzeptabel, wenn der Kontext klar ist (z. B. im Blog-Teaser), aber ideal wäre „Weiterlesen: BFSG-Änderungen 2025". Bild-Links ohne Alt-Text: Ein verlinktes Bild ohne alt-Attribut – der Link hat keinen zugänglichen Namen. Identische Linktexte, verschiedene Ziele: Drei Links mit dem Text „Details" führen zu verschiedenen Produkten – ohne Kontextunterscheidung eine Barriere. URL als Linktext: Lange URLs sind für Screenreader-Nutzer quälend – jeder Buchstabe wird einzeln vorgelesen.

WCAG-Bezug

WCAG 2.4.4 Link Purpose (In Context) ist Level A und über die EN 301 549 (Abschnitt 11.2.4.4) BFSG-pflichtig. Es ist eines der meistverletztzen WCAG-Kriterien im deutschsprachigen Web. Verwandte Kriterien: WCAG 2.4.9 (Link Purpose – Link Only, Level AAA) – der Linktext allein muss verständlich sein, ohne Kontext. WCAG 1.1.1 (Non-text Content, Level A) – für Bild-Links muss das Bild einen Alt-Text als Linktext-Ersatz haben. WCAG 4.1.2 (Name, Role, Value, Level A) – der zugängliche Name eines Links muss programmatisch ermittelbar sein. In der Praxis: Wer Link-Zweck und Alt-Texte korrekt umsetzt, behebt oft die meisten Level-A-Verstöße einer Seite.

Wird geprüft: bf-check erkennt generische Linktexte wie „hier klicken", „mehr", „weiterlesen" sowie Bild-Links ohne Alt-Text und doppelte Linktexte mit unterschiedlichen Zielen.

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